STILLE BEGEGNUNGEN – Angekommen
Mit dem Blick einer Malerin - Angekommen

Vor ein paar Wochen standen sie noch in meinem Atelier.
An Wände gelehnt.
Auf Staffeleien.
Manche frisch gerahmt, andere warteten noch darauf.
Ich habe überlegt, welche Bilder miteinander können.
Welche Abstand brauchen.
Welches für sich allein stehen darf.
Dann wurden sie eingepackt.
Ins Auto getragen.
Und schliesslich wieder ausgepackt.
Im Sternen in Detligen.
Dort bekam jedes seinen Platz.
Plötzlich hing ein Pferd über einem Klavier.
Meine Eulen fanden ihren Platz zwischen altem Holz.
Ein Kleiber begegnete einer rauen weissen Wand.
Und manches Bild wirkte an seinem neuen Ort plötzlich ein wenig anders, als ich es aus meinem Atelier kannte.
Ich trat zurück.
Schaute.
Veränderte noch etwas.
Trat wieder zurück.
Bis irgendwann dieser Moment kam, in dem ich nichts mehr verschieben wollte.
Sie waren angekommen.

Aber Bilder an einer Wand machen noch keine Begegnung.
Das wurde mir gestern an der Vernissage wieder einmal mehr bewusst.
Zuerst war da dieser Raum.
Die Bilder waren bereit.
Die Karten lagen da.
Das Gästebuch wartete.
Die Gläser standen bereit.
Alles hatte seinen Platz.
Und dann kamen die Menschen.

Sie gingen durch die Räume.
Blieben stehen.
Schauten.
Manche kamen ganz nah an ein Bild heran.
Andere traten wieder einen Schritt zurück.
Es wurde gefragt, erzählt und gelacht.
Ich durfte über meine Bilder sprechen. Über ihre Entstehung, über Materialien, Gedanken und manchmal auch über Umwege.
Und gleichzeitig durfte ich zuhören.
Welches Bild zieht jemanden an?
Wo bleibt ein Blick länger hängen?
Was entdeckt jemand, das ich selbst vielleicht gar nie so gesehen habe?

Und irgendwann wurde mir etwas bewusst.
Solange ein Bild in meinem Atelier steht, kenne nur ich seine Geschichte.
Ich weiss, wo es begonnen hat.
Wo ich gezögert habe.
Wo etwas ganz anders geworden ist, als ich es geplant hatte.
Und irgendwann weiss ich:
Jetzt ist es fertig.
Doch in dem Moment, in dem ein anderer Mensch davorsteht, beginnt eine neue Geschichte.
Eine, die ich nicht mehr kenne.
Vielleicht erinnert ein Vogel an einen Garten.
Ein Pferd an eine Begegnung von früher.
Vielleicht bleibt jemand an einem Blick hängen.
An einer Farbe.
An einer Haltung.
Vielleicht entsteht eine Erinnerung.
Oder einfach ein Gefühl, für das es gar keine Worte braucht.
Ich kann nicht bestimmen, was jemand in meinen Bildern sieht.
Und ich will es auch nicht.
Vielleicht gehört genau das zum Loslassen eines Bildes.
Dass irgendwann nicht mehr nur zählt, was ich hineingelegt habe.
Sondern auch das, was ein anderer Mensch darin findet.
Gestern durfte ich genau das beobachten.
Aus Bildern wurden Begegnungen.

Und dafür möchte ich heute einfach Danke sagen.
Danke an alle, die gestern da waren.
Danke für Euer Kommen.
Für Euer Interesse an meiner Arbeit.
Für die vielen Gespräche, Fragen und Rückmeldungen.
Für das gemeinsame Lachen.
Für das genaue Hinschauen.
Und auch für jene stillen Augenblicke, in denen jemand einfach vor einem meiner Bilder stehen blieb.
Es bedeutet mir viel, dass Ihr Euch auf meine Bilder eingelassen habt.
Dass Ihr Euch Zeit genommen habt.
Und dass aus einer Ausstellung, die über viele Wochen in meinem Kopf und in meinem Atelier entstanden ist, gestern etwas Lebendiges wurde.
Mein Dank gilt auch all jenen Menschen, die mich auf dem Weg bis hierher begleitet, unterstützt und ermutigt haben.
Und natürlich dem Sternen Detligen, der meinen Bildern für die kommenden Monate ein Zuhause gibt.
Als ich gestern irgendwann in diesem Raum stand, zwischen meinen Bildern und all den Menschen, dachte ich:
Jetzt sind sie wirklich angekommen.
Nicht, weil sie an einer Wand hängen.
Sondern weil jemand davor stehen bleibt.
Genau dort beginnt der Teil eines Bildes, den ich nicht mehr malen kann.
Sein eigenes Weiterleben.
Seine Begegnungen.
Seine Geschichten.
Meine Bilder bleiben nun bis Ende März 2027 im Sternen.
Wer ihnen in dieser Zeit begegnet, was jemand in ihnen entdeckt oder was sie vielleicht für einen kleinen Moment auslösen, werde ich nur selten erfahren.
Und das ist gut so.
Ich habe sie gemalt.
Ich habe ihnen Namen gegeben.
Ich habe sie hinausgegeben.
Jetzt dürfen sie ihren eigenen Weg gehen.
Und gestern wurde mir noch einmal bewusst, wie sehr der Name dieser Ausstellung zu dem passt, was ich mir für meine Bilder wünsche:
STILLE BEGEGNUNGEN.
Danke für diesen wunderbaren Anfang.
Bis nächsten Samstag – mit dem Blick einer Malerin.
