Mit dem Blick einer Malerin - Was Brüche erzählen

Barbaras-Art

Mit dem Blick einer Malerin

Was Brüche erzählen


Es gibt Gedanken, denen begegnet man nicht zum ersten Mal.

Und dabei hat man plötzlich das Gefühl, sie schon sehr lange zu kennen.

 

So ging es mir, als ich auf den japanischen Begriff Kintsugi stiess.

Eine Kunstform, bei der zerbrochene Keramik mit Gold wieder zusammengesetzt wird.

 

Der Bruch wird dabei nicht verborgen.

Er bleibt sichtbar.

Und gerade dadurch erhält das Gefäss eine neue Würde.

 

Je mehr ich darüber las, desto vertrauter kam mir dieser Gedanke vor.

 

Nicht, weil ich bewusst mit der Kintsugi-Technik arbeite.

Sondern weil mich diese Haltung schon lange begleitet.

 

In einigen meiner Bilder finden sich feine goldene Linien.

Sie sind nicht entstanden, um Kintsugi darzustellen.

Und doch erzählen sie für mich heute etwas Ähnliches.

Dass das, was uns geprägt hat, nicht versteckt werden muss.

 

Auch wir tragen Brüche in uns.

Erfahrungen, die uns verändert haben.

Verluste.

Enttäuschungen.

Neuanfänge.

Momente, die Spuren hinterlassen haben.

 

Oft wünschen wir uns, diese Risse wären nie entstanden.

Wir möchten sie glätten.

Verbergen.

Ungeschehen machen.

 

Doch was wäre, wenn sie gar nicht gegen uns sprechen?

Was wäre, wenn sie erzählen würden, dass wir gelebt haben?

Dass wir gefallen und wieder aufgestanden sind.

Dass wir durch etwas hindurchgegangen sind.

 

Als ich Kintsugi entdeckte, hatte ich das Gefühl, einer Haltung zu begegnen, die in meinen Bildern ihren Platz gefunden hatte.

 

Nicht als Technik.

Sondern als Gedanke.

Ein Gedanke, der mich daran erinnert, mit mehr Milde auf das zu schauen, was das Leben in uns hinterlassen hat.

 

Ein Bruch macht nichts und niemanden wertlos.

Er wird Teil unserer Geschichte.

Und manchmal ist er sogar der Ort, an dem etwas Neues beginnt.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Schönheit.

 

Die Schönheit dessen, was durch das Leben hindurchgegangen ist.

 

Bis nächsten Samstag – mit dem Blick einer Malerin.