Mit dem Blick einer Malerin - Kleine Anker für den Augenblick

Barbaras-Art

Mit dem Blick einer Malerin - Kleine Anker für den Augenblick

In den letzten Tagen sind in meinem Atelier wieder einige kleine Aquarelle entstanden.

Wortspuren.

 

Neun mal neun Zentimeter gross. Jedes mit einem eigenen Motiv und einem Wort, das es begleitet.

Eine Schwalbe. Ein Rotkehlchen. Ein Reh. Blumen in unterschiedlichen Farben. Eine Pusteblume, deren feine Samen sich auf den Weg machen.

 

Ich habe jedes Motiv bewusst gewählt, gestaltet und gemalt.

Jetzt liegen sie nebeneinander.

Ich schaue sie an.

Und muss lächeln.

 

Nicht, weil sie besonders gross oder aufwendig wären.

Sondern weil sie mir ganz einfach gefallen.

Weil ich Freude daran habe, wie sie geworden sind.

 

Und weil ich in ihnen etwas wiedererkenne, das mir entspricht.

Beim Malen fällt mir immer wieder auf, wie sehr mich bestimmte Farben anziehen.

Die warmen Erdtöne.

Ein sanftes Braun. Ein zurückhaltendes Beige.

Die vielen Zwischentöne, die entstehen, wenn sich Farben auf dem Papier begegnen.

Und dann ist da Payne's Grey.

Dieses tiefe, kühle Blaugrau, zu dem ich immer wieder greife.

Manchmal fast schwarz. Manchmal ein zarter, transparenter Hauch von Blau.

 

Ich mag diese Farbe.

Ihre Tiefe. Ihre Ruhe. Die vielen Möglichkeiten, die in ihr stecken.

 

Ab und zu male ich auch mit kräftigeren Farben.

Eine rote Blüte darf leuchten.

Eine Rose darf sich in ihrem satten Rosa zeigen.

Und manchmal braucht ein Motiv genau diesen einen Farbtupfer, damit es für mich stimmt.

 

Meine Freude am Malen zeigt sich nicht unbedingt in möglichst vielen oder möglichst bunten Farben.

Sie liegt oft gerade in den leisen Tönen.

In einer feinen Abstufung.

In einem kleinen Detail.

In dem Moment, in dem ich den Pinsel absetze, einen Schritt zurücktrete und denke:

 

Ja. Genau so.

 

Vielleicht ist es genau das, was ich an der Malerei so liebe.

Sie lässt mich innehalten.

Genauer hinschauen.

Etwas wahrnehmen, an dem ich sonst vielleicht achtlos vorbeigegangen wäre.

Eine Schwalbe im Flug.

Ein Rotkehlchen auf einem Zweig.

Eine Blume, die sich dem Licht entgegenstreckt.

Alles Dinge, die uns vertraut sind.

Die einfach da sind.

 

Und die wir gerade deshalb manchmal kaum mehr bewusst wahrnehmen.

Beim Malen beschäftige ich mich mit ihnen.

Mit ihren Formen, ihren Farben, ihrem Wesen.

Ich schenke ihnen meine Aufmerksamkeit.

 

Vielleicht geschieht dabei etwas ganz Einfaches:

Was vorher selbstverständlich schien, wird plötzlich wieder besonders.

Nicht, weil es sich verändert hat.

Sondern weil ich anders hinschaue.

 

Dieses genaue Hinschauen begleitet mich auch beim Gestalten.

Ich überlege, welche Farben einem Motiv gerecht werden.

Was ich hervorheben möchte.

Was zurückhaltend bleiben darf.

Manchmal braucht es noch eine feine Linie. Manchmal ist es gerade der freie Raum, der einem Bild seine Wirkung gibt.

Es sind viele kleine Entscheidungen.

Manche treffe ich ganz bewusst. Andere ergeben sich aus meiner Erfahrung und meinem Gefühl für das, was ich vor mir sehe.

 

Und irgendwann liegt ein fertiges Bild da.

Eines, das nicht alles zeigen muss.

Das Raum lässt.

Zum Hinschauen.

Zum Entdecken.

 

Vielleicht auch zum eigenen Weiterdenken.

 

Als ich meine neuen Wortspuren nebeneinandergelegt habe, ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich sie sind.

Jedes Motiv hat seinen eigenen Charakter.

Und trotzdem gehören sie für mich zusammen.

Nicht, weil ich sie als Serie geplant hätte.

Sondern weil ich in allen meine eigene Handschrift erkenne.

Meine Vorliebe für bestimmte Farben.

Meine Freude an feinen Details.

Meine Art, etwas wahrzunehmen und auf Papier festzuhalten.


Diese kleinen Bilder lassen mein Herz lächeln.

 

Das klingt vielleicht etwas ungewohnt.

Aber genau so fühlt es sich an.

Ich schaue sie an und freue mich.

Ganz einfach.

Ohne dass ich dafür einen besonderen Grund brauche.

 

Und während ich sie so betrachte, denke ich daran, dass diese kleinen Aquarelle irgendwann vielleicht bei ganz unterschiedlichen Menschen landen werden.

Eine Karte wird verschenkt.

Eine andere findet ihren Platz auf einem Schreibtisch.

Vielleicht steht eine neben einem Foto.

Oder liegt an einem Ort, an dem jemand sie immer wieder einmal zur Hand nimmt.

Und vielleicht bleibt der Blick dann für einen Augenblick daran hängen.

An einer Blume.

An einem Vogel.

An einem einzigen Wort.

Vielleicht löst es eine Erinnerung aus.

Vielleicht einen Gedanken.

Oder einfach ein kleines Lächeln.

 

Ich weiss nicht, was andere Menschen darin entdecken werden.

Mir gefällt die Vorstellung, dass etwas so Kleines einen Moment im Alltag begleiten kann.

Nicht als grosse Botschaft.

Nicht als Aufforderung, etwas zu verändern.

Sondern einfach als etwas Schönes, das da ist.

 

Ein kleiner Anker für den Augenblick.

 

Vielleicht ist es genau das, was ich an diesen Wortspuren so mag.

Sie brauchen nicht viel Platz.

Sie drängen sich nicht auf.

Und doch können sie etwas in uns berühren.

 

Mich haben sie beim Malen mit Freude erfüllt.

Und jetzt, wo sie nebeneinanderliegen, tun sie es noch einmal.

Vielleicht ist das schon Grund genug, immer wieder neue entstehen zu lassen.

Neun mal neun Zentimeter.

Ein Motiv. Ein Wort.

 

Und manchmal ein kleines Lächeln mitten im Tag.

 

Bis nächsten Samstag – mit dem Blick einer Malerin.