Mit dem Blick einer Malerin - Mein Notizbuch

Barbaras-Art

Mit dem Blick einer Malerin

Mein Notizbuch


Es liegt fast immer in meiner Nähe.

Nicht besonders gross. Kein edles Leder. Keine kunstvoll gestalteten Seiten.

Ein ganz gewöhnliches Notizbuch.

 

Dort beginnt nichts Bestimmtes. Manchmal bleibt es bei einem einzigen Satz. Manchmal wird daraus Monate später ein Bild. Manchmal eine Fotografie. Und manchmal bleibt der Gedanke einfach dort – weil er keinen anderen Ort braucht als diese eine Seite.

 

Ich schreibe vieles hinein.

Worte.

Halbe Sätze.

Farben.

Bildtitel.

Ideen für neue Serien.

Gedanken aus Gesprächen.

Etwas, das ich auf einer Wanderung gesehen habe.

Oder einen Moment, den ich später vielleicht längst vergessen hätte.

 

Oft weiss ich in diesem Augenblick noch gar nicht, weshalb ich etwas notiere.

Ich weiss nur, dass ich es festhalten möchte.

 

Mit einem Gedanken.

Mit einem Satz.

Mit einer Beobachtung.

Mit einer Frage, die mich plötzlich nicht mehr loslässt.

 

Die rosa Haftstreifen helfen mir, den Überblick zu behalten. Sie markieren keine fertigen Kapitel. Sie erinnern mich daran, dass manche Gedanken wiedergefunden werden möchten.

 

Wenn ich heute durch dieses Buch blättere, sehe ich keine Ordnung.

Ich sehe Spuren.

 

Manche Notizen bleiben genau das – eine kurze Beobachtung.

Andere begleiten mich über Wochen. Sie verändern sich. Wachsen. Bekommen neue Bedeutung.

 

Und irgendwann stehen sie plötzlich vor mir.

Nicht mehr als Satz.

Sondern als Bild.

 

Das ist ein der Teil meiner Arbeit, den kaum jemand sieht.

 

Ein Aquarell entsteht nicht erst im Atelier.

Es beginnt lange vorher.

In einem Augenblick, der mich innehalten lässt.

In einer Frage.

 

Oder in einem kleinen Notizbuch, das geduldig darauf wartet, wieder aufgeschlagen zu werden.

 

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, weshalb ich es so gerne bei mir habe.

Es trägt einen Teil von mir in sich.

 

Ab dieser Woche nehme ich dich jeden Samstag ein Stück mit auf diesen Weg.

Nicht nur zu den fertigen Bildern.

Sondern dorthin, wo sie ihren Anfang nehmen.

 

Bis nächsten Samstag – mit dem Blick einer Malerin.