Atelier-Momente - zwischen Finden und Suchen
Atelier-Momente - zwischen Finden und Suchen

Wer mein Atelier betritt, sieht Farben, Pinsel, Papier, angefangene Werke und fertige Bilder. Was man nicht sieht, ist der eigentliche Entstehungsprozess.
Kunst entsteht bei mir selten geradlinig.
Manchmal ist da sofort eine klare Vorstellung. Ein Motiv zeigt sich deutlich, ein Bild entwickelt sich fast wie von selbst. Die Farben finden ihren Platz, die Formen fügen sich zusammen und alles scheint mühelos zu fliessen.
Und dann gibt es die anderen Tage.
Tage, an denen ich suche. An denen ich eine Linie wieder verwerfe, einen Farbton übermale oder ein Bild für eine Weile zur Seite stelle. Nicht weil etwas falsch wäre, sondern weil es noch nicht bereit ist.
Früher dachte ich oft, Kreativität müsse zielgerichtet sein. Heute weiss ich: Viele wichtige Schritte geschehen gerade in den Phasen des Nichtwissens und des Zweifelns.
Im Atelier habe ich gelernt, diesem Prozess zu vertrauen.
Ein Bild darf Fragen stellen, bevor es Antworten gibt. Es darf Umwege nehmen. Es darf wachsen, sich verändern und manchmal sogar eine ganz andere Richtung einschlagen als ursprünglich gedacht.
Malen bedeutet für mich deshalb nicht, einen Plan möglichst effizient umzusetzen.
Malen bedeutet, präsent zu bleiben.
Immer wieder hinzuschauen.
Immer wieder neu zu beginnen.
Immer wieder offen zu sein für das, was entstehen möchte.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Arbeit:
Dranzubleiben, ohne festzuhalten.
Dem Prozess zu dienen, ohne ihn kontrollieren zu wollen.
Und manchmal entsteht gerade dort, wo ich das Ergebnis loslasse, etwas, das tiefer und wahrhaftiger ist, als ich es hätte planen können.
Herzlichst
Barbara
